Kapitel 1 – Reisevorbereitungen

Was wollt ihr denn da?

Dies ist eine Frage, die ich nun wirklich oft gehört habe. Auch wenn ich diese Frage, mit diesem leichten Unterton des Unverständnisses, für mich persönlich bei so manchem weitaus populäreren Reiseziel sehr viel angebrachter finde, ist dies keine einfache Frage. Ein Land, dessen Einwohner offenkundig tief gespalten zwischen den Regeln eines religiösen Regimes und dem westlichen Freiheitsdrang leben, in dem man aufpassen, was man anzieht und wie man sich verhält, in dem es keinen Alkohol gibt, der zum Urlaub vieler Leute ja schon irgendwie dazu gehört. Was wollt ihr denn da? Schaut man unter die Oberfläche entdeckt man ein Land, welches von vielen Reisenden oft als unglaublich herzlich und gastfreundlich beschrieben wird, in dem ein hohes Bildungsniveau herrscht, in dem eine wunderschöne Kunst- und Musikkultur entstanden ist, in dem man einige der ältesten historischen Städte der Welt besichtigen kann und etwas über eine der ältesten bekannten Religionen der Menschheit erfahren kann. Es gibt Wüsten, Salzseen, Badestrände, riesige Metropolen und Skihütten. Uns fiel sofort die enorme Vielfallt des Iran auf, was letztendlich zu der Entscheidung geführt hatte dieses Land zu bereisen.
Meine Tante, die mit uns gereist ist, erzählte mir, dass es einen großen Unterschied in den Reaktionen der Leute gab, je nachdem ob man den Leuten vom Iran oder von Persien erzählte. Ich finde es schon bemerkenswert, dass wir in Deutschland anscheinend nicht so aufgeklärt und weltoffen sind und auch nicht so gebildet, wie wir manchmal denken.

Was zieh ich an und was darf ich?

Nach der Revolution gegen den Schah und der Etablierung der Islamischen Republik Iran änderte sich vieles für die Einwohner des Landes. Islamische Republik meint hier eine im weitesten Sinne demokratische Staatsform, dessen Staatsoberhaupt ein religiöser Führer ist und deren Gesetze in Teilen oder als Ganzes die Scharia Anwendung findet. Als Regierungschef wird im Iran ein gewählter Staatspräsident eingesetzt.
Das, was den meisten Leuten, die nicht aus dem Iran kommen als erstes auffällt bzw. aufstößt sind die islamischen Bekleidungsvorschriften, und insbesondere die Pflicht der Frauen einen Hidschab zu tragen. Während die Kleiderordnung für Männer sich nur auf lange Hosen und mindestens T-Shirt beschränkt sind die Regeln für Frauen also etwas strenger.
Bemerkenswert ist allerdings, dass diese Regeln immer mehr und mehr aufgeweicht werden. Das Kopftuch, welches traditionell schwarz und eng gewickelt das Haar bedecken soll, findet man vor allem in den größeren Städten unter den moderneren Iranerinnen in den verschiedensten Farben, auch gerne mit bunten Mustern und öfter so getragen, dass es gerade eben die Regeln erfüllt und mehr vom Kopf frei gibt, als es verbirgt. Auch enganliegende Jeans entsprechen nicht den strengen Regeln, aber auch dies sieht man des Öfteren. In einem Park in Teheran sahen wir einen jungen Mann mit nacktem Oberkörper trainieren und sogar eine Frau mit tätowierten Armen, die ihr Kopftuch ganz auf die Schultern heruntersinken hat lassen.
Im Großen und Ganzen gibt es also einige Bestrebungen, die Grenzen zu erweitern und man spürt, dass die Leute Lust auf eine moderne Gesellschaft haben. Die Regeln müssen aber zumindest offiziell eingehalten werden, dies gilt übrigens auch für Touristen und kann unserer Auffassung bei Nichteinhalten leider auch ernstere Probleme auslösen.

Was kann man erleben?

Ehrlich gesagt wusste ich im Voraus gar nicht so viel über den Iran und was uns erwarten würde. Deswegen hatte ich auch eigentlich keine Erwartungen und fand das auch ziemlich gut, da ich so alles einfach so nehmen konnte, wie es kam. Wenn ich also jetzt zurückblicke und überlege, was man auf keinen Fall verpassen sollte, bzw. was es aus macht in den Iran zu reisen, fallen mir folgende Punkte ein.

Die Gastfreundschaft der Leute ist auf jeden Fall ein großer Punkt. Für mich ist es immer sehr interessant die Menschen in anderen Ländern zu beobachten, deren verhalten und wie sie miteinander reden und was sie so machen. Ich denke für die Iraner ist der Kontakt mit anderen Menschen sehr wichtig. Vor allem weil es für viele nicht so einfach ist, viel um die Welt zu reisen sind die Leute, die man trifft, meist sehr aufgeregt, wenn sie merken, dass man fremd ist, und freuen sich über das, was man zu erzählen hat. Die Iraner, die wir trafen, waren vor allem fröhliche und freundliche Menschen, die immer sehr hilfsbereit sind und einfach froh über ein wenig Gesellschaft.

Landschaftlich hatte das Land natürlich auch so einiges zu bieten. Ich, für meinen Teil, war noch nie in der Wüste und es war auf eine gute Weise so fremdartig. Aber der Punkt ist, dass man nicht nur Wüste finden kann, es gab Sandstrände, grüner Urwald, wunderschöne Wasserfälle und Schluchten, es gab Berge und sogar Schnee zu sehen. Es war einfach wunderbar wie viel Vielfalt wir entdecken konnten.

Es gibt einige sehr alte Sachen zu sehen. Eindrucksvolle historische Orte, wie eine der ältesten noch immer bewohnten Städte der Welt, oder Paläste und Museen, in denen man sehr alte Artefakte bestaunen kann. Und natürlich eines unserer Highlights: Persepolis. Die antike persische Stadt deren Erbauung unter Darius dem Großen begann, einem der alten Könige des Perserreichs.

Ein letzter Punkt fällt mir noch ein: das Essen in Iran ist einfach umwerfend lecker. Ich liebe es zu kochen und ich liebe es auch neue Dinge auszuprobieren und das persische Essen, das wir probiert haben, war wie eine Reise für sich. Oftmals relativ sauer oder salzig, generell sehr intensive Geschmäcker. Aber auch guter Reis beispielsweise mit Safran und natürlich Kebab. Habe ich schon von den Süßigkeiten geschwärmt? Alle Arten von süßen Sachen, wie zum Beispiel Halva oder Safraneis oder Gepäck.