Kapitel 2 – Teheran

Stadt und Lifestyle

Teheran selbst ist sicherlich nicht die schönste Stadt der Welt. Generell wird man als Neuankömmling direkt von der schieren Größe erschlagen. Die Stadt selbst ist mit fast neun Millionen Einwohnern schon enorm groß. Allerdings schätzt man die Einwohnerzahl im Großraum der Metropole auf insgesamt 20 Millionen. Der Straßenverkehr ist hektisch, um nicht zu sagen wahnsinnig und gefährlich, und die Abgase hängen in einer Dunstglocke über der Stadt. Bei gutem Wetter kann man die hohen schneebedeckten Gipfel des Elburs-Gebirges hinter der Skyline erkennen. Die Stadt liegt in Hanglage, was dazu führt das zwar ein Großteil der Stadt sich in einer Höhe von ca. 1000 Metern befindet, die Vororte im Norden der Stadt aber durchaus bei etwa 1700 Meter liegen.

Das ganze Land befindet sich in einer tektonisch sehr aktiven Zone, da hier die Arabische Kontinentalplatte auf die Indische und die Eurasische Platte trifft. Viele leichte Beben erschüttern die Gegend und auch wir haben ein sehr kurzes leichtes Beben spüren können. Aufzeichnungen, der letzten 2000 Jahre zufolge kam durchschnittlich alle 150 Jahre zu schweren Erdbeben in der Region und da das letzte verheerende Beben schon fast 200 Jahre zurückliegt, besteht derzeit eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Beben. Dies stellt für die Stadt eine sehr große Gefahr dar, da viele Gebäude nicht die heutigen Standards für Erdbebensicherheit erfüllen.

Das Leben in der Stadt selbst scheint kein schlechtes zu sein. Für mich persönlich deutlich zu hektisch, allerdings findet man auch einige relativ große Parkanlagen, in denen man den Lärm der Großstadt hinter sich lassen kann und seine Freizeit genießen kann. Und genau so erlebt man dann auch dort die Einheimischen, die sich für ein Picknick auf der Wiese treffen oder an einem Brunnen zusammen singen oder in einem künstlichen Hain Schach spielen oder einfach nur eine Siesta halten. An dieser Stelle fiel uns direkt die Offenheit und Herzlichkeit der Iraner auf. Man schlendert durch den Park und gerät hier und da schnell mal in Gespräch. Sehr interessiert wurden uns direkt alle möglichen Fragen gestellt, was wir so machen und wo wir herkommen und was wir vorhaben. An Ratschlägen, was wir uns alles ansehen sollten und wo wir hinfahren sollten fehlte es ebenfalls nicht. Die Menschen sind generell sehr freundlich und freuen sich immer über gute Gesellschaft.

Unser Hunger auf mehr war jedenfalls geweckt und wir sollten auch noch einige wunderbare Dinge auf dieser Reise erleben.

Golestan Palast

Eines unserer ersten Ziele in Teheran war der Golestan Palast. Bevor der Iran zur islamischen Republik wurde, war der Palast der offizielle Sitz des Schahs. Allerdings in der letzten monarchischen Ära der Pahlaviden wurde der Palast nur noch für offizielle Anlässe genutzt. Hier befand sich der berühmte Pfauenthron, von dem aus, der Schah seine Gäste empfing. Ein wundervoller Garten im Innenhof des Palastes lädt zur Entspannung ein und ist durch die umliegenden Palastgebäude vom hektischen Treiben der Metropole Teheran abgeschirmt. Im inneren ist alles sehr prunkvoll und majestätisch. Das Gebäude lässt keinen Zweifel zu, dass hier mal ein König gelebt hat.

Teppich Museum

Wir fuhren dann weiter durch die Stadt zum Teppich Museum. Hierbei handelt es sich nicht nur um einen Haufen alter Teppiche, die zur Bewunderung ausgestellt werden. Hier kann man die Vielfalt der Kunstform Perserteppich bewundern und etwas über die verschiedenen Arten von Teppichen erfahren. Denn Teppiche, die letztlich vor allem eine Aneinanderreihung von Knoten aus verschiedenen Materialien, wie Wolle oder Seide, sind unterscheiden sich in der Anzahl der Knoten und der Musterung sehr stark. Verschiedene Muster stehen für verschiedene Regionen, Stammesteppiche, die sich je nach Stamm in ihren Musterungen unterscheiden oder auch welche, die weniger mit Mustern, dafür mehr mit Bildern ausgestattet sind und Geschichten von Jagd oder dem täglichen Leben oder über die Liebe erzählen. Einige Symbole wie Zypressen oder den Baum des Lebens oder Blumen, vor allem Henna-Blüten findet man etwas häufiger in den Motiven.
Wirklich beeindruckend für uns war dabei vor allem welche Fertigkeiten und wie viel Arbeitszeit nötig waren, um diesen Detailreichtum zu erschaffen. Denn für einen einfachen kleinen Teppich, fein gewoben, benötigt ein Arbeiter gerne mal neun Monate. Die meisten der Teppiche, die wir gesehen hatten, besaßen zwischen 70 – 150 Raj, was die Anzahl der Knoten in einer Reihe von 7cm Länge beschreibt. Man sieht also, um so zu arbeiten muss man wirklich bei der Sache sein.

Niavaran Palast

Nach diesen beiden Stationen relativ im Zentrum Teherans ging es für uns nun in den Nordosten der Stadt zum Niavaran Palast. Der Weg führt über einen gemäßigten Anstieg immer höher an der Flanke des Elburs-Gebirges hoch.
Der Palastkomplex selbst besteht aus mehr als zwanzig Einzelgebäuden, der eigentliche Hauptpalast ist allerdings schon alleine sehr eindrucksvoll. Im Gegensatz zum Golestan Palast sind die Räume hier deutlich moderner und wohnlicher eingerichtet. Da das ganze Palastgelände im etwas höher gelegenen Stadtteil Niavaran liegt, wurde es zur Sommerresidenz des Schahs. Hier ist alles für ein Leben im Luxus eingerichtet mit Musikinstrumenten und eigenem Theater, begehbare Ankleideschränke, Schlafräume und Kinderzimmer. Generell bekommt man eine Idee davon, wie das Leben der Herrscherfamilie gewesen ist.
Im Vorfeld unserer Reise fiel mir immer wieder auf, wie unterschiedlich die Islamische Republik im Vergleich zum Iran unter Herrschaft des Schahs gesehen wird. Und die meisten Leute, mit denen ich geredet habe, waren der Ansicht, dass das Land besser dran war unter der Herrschaft des Schahs. Allerdings sollte jedem klar sein, dass die Märchen von tausend und einer Nacht, welches der Schah mit seiner Familie lebte auf einer absoluten Monarchie basierte, in der es Folter, Exekution, jede Menge Opfer und Armut gab. Auch wenn es dem Iran, als westwärts gewandtes Land unter Reza Schah Pahlavi, vielleicht wirtschaftlich besser ging als heute, so fand man den Wohlstand größtenteils in der Spitze der Gesellschaft, vor allem in der Königsfamilie. Liest man in Ruhollah Chomeinis Rede, die er nach seiner Rückkehr aus dem Exil hielt, stellt man fest, dass es bei der Revolution nicht nur um Religion und der Etablierung einer Islamischen Staatsform ging. Die völlig veraltete Regierungsform der Monarchie sollte abgeschafft werden und Menschenrechte und Redefreiheit und Unterstützung der Armen, waren ebenfalls wichtige politische Punkte der Revolution.
Der Glanz und der unvorstellbar übertriebene Prunk des Niavaran Palastes sind ein gutes Beispiel für die Gründe einer radikalen Änderung eines Staatssystems. Eine Anekdote, die ich hörte, erzählt davon, dass Schah gerne die steile Straße ins Zentrum der Stadt sperren ließ, um seine neuen Sportwagen einmal auf freier Strecke ausfahren zu können. Ein Monarch, der seinen Wohlstand so offen auslebt, während ein Großteil der Bevölkerung sehr arm ist, muss zwangsläufig irgendwann mit Konsequenzen rechnen.

Archäologisches Museum

Letzter Stopp in Teheran war das Archäologische Museum. Hier gab es zwei Dinge, die wirklich beeindruckend waren, über die ich gerne etwas erzählen würde.
Als erstes zu erwähnen wäre, dass viele der Exponate wirklich sehr alt sind. Man kann Töpferwaren oder Waffen oder andere kleine Dinge entdecken, wobei manches davon über 5000 Jahre alt ist. Selbst für Europäer ist das ziemlich alte Geschichte.
Die zweite Sache, die es wert ist zu erfahren, ist das man hier die verschiedenen kulturellen Einflüsse bei manchen Artefakten, die allerdings aus dem antiken Persien stammen, erkennen kann. Zum Beispiel findet man Schriften geschrieben in römischer Schrift, oder Architektonische Elemente aus dem antiken Griechenland. Oder einen ägyptischen Obelisken, der auf dem Gebiet des heutigen Iran gefunden wurde. All diese Dinge zeigen die Verbindung dieser alten Kulturen, geschaffen durch Kriege und Eroberungen oder Handel und Austausch.