Kapitel 3 – Kaspisches Meer
Von Teheran aus machten wir uns auf nach Norden ans Kaspische Meer. Das Kaspische Meer ist ein endorheisches Gewässer, was meint, dass es keine natürliche Verbindung zu den Ozeanen hat. Das Kaspische Meer ist also der größte See der Erde und liegt erstaunlicherweise 28 Meter unter dem Meeresspiegel. Unser Ziel war Bandar Anzali, was viel mehr unsere Unterkunft war als unser Ziel in dieser Region. Unser Weg dorthin führte durch das Elburs-Gebirge und durch Rascht bis an die Küste. Leider hatten wir richtig schlechtes Wetter und somit blieb uns der Blick auf die Gipfel des Elburs-Gebirges verwehrt. Aber die folgenden Tage sollten uns eine weitere, zumindest mir unbekannte Seite des Iran zeigen.
Rascht und Umland
Wir fuhren von Teheran an die Küste, erst entlang des Elburs Gebirge durch weite Wüstenlandschaften und dann immer höher, um den Pass nach Rascht zu nehmen. In der Hochebene wurde das Wetter immer mieser und wir fuhren einfach nur durch, machten eine Mittagspause im kleinen Dörfchen Rudbar und waren am Nachmittag schon in Rascht. Die Landschaft hatte sich seit Teheran stark verändert. Sandige Wüstenebenen waren grüner Wald- und Sumpflandschaft gewichen. Hier wird ganz deutlich was für eine enorme Wetterscheide das Elbursgebirge darstellt.
Wo in Rudbar noch an jeder Ecke Oliven angebaut und zum Kauf angeboten wurden war im Flachland vor der Küste zum Kaspischen Meer alles auf Tee und Reis spezialisiert. Generell schien die Gegend deutlich ursprünglicher aber leider auch ärmer zu sein. Wobei man auch dabei differenzieren muss, denn an der Küste findet man auch einige schöne Sommerhäuser von reichen Städtern, die wenn es im Inland zu heiß wird gerne ein paar Tage ans Kaspische Meer fahren.
Das Kaspische Meer lud allerdings nicht wirklich zum Baden ein, was vor allem am kalten ungemütlichen Wetter lag. Das Kaspische Meer, das in Wahrheit der größte See der Erde ist, ist zwar ein Salzwassersee, liegt aber mit seinem durchschnittlichen Salzgehalt deutlich unter dem der Ozeane. Das Meer war an dem Tag stürmisch und aufgewühlt und wir entschieden uns daher die Badehose beim Strandspaziergang im Koffer zu lassen.
Masouleh
Am nächsten Tag fuhren wir wieder von der Küste weg in Richtung Berge. Wir wollten ein kleines Bergdorf namens Masouleh besuchen. Und das war eine gute Idee. Auf dem Weg machten wir noch einen kleinen Stopp in Fuman. Die Kleinstadt ist bekannt für seine Spezialität, die Koluche-Kekse. Die Kekse enthalten eine Fühlung aus zerstoßenen Nüssen und verschiedenen Gewürzen und erhalten ihre Form und Verzierung nur dadurch, dass der Bäcker den Teig auf eine bestimmte Art knetet. Frisch gebacken sind sie wirklich wunderbar.
Nach dieser kleinen Stärkung ging es dann weiter über Teeplantagen und Felder in die Berge. Es wurde kälter und nebliger und wir waren sehr gespannt, was am Ende der Straße auf uns wartete. In Masouleh angekommen staunten wir nicht schlecht. Die Stadt war am Ende der Schlucht, durch die wir gekommen waren, einfach in den Berghang gebaut. Die Häuser bauten quasi aufeinander auf. Das Dach eines Hauses war gleichzeitig die Terrasse oder der Vorplatz des darüber liegenden Hauses. Die Siedlung erstreckte sich fast mehr in der Höhe als in der Fläche. Jedes Haus war individuell auf seinen Platz angepasst und überall führten kleine Wege und Treppen zwischen den verschiedenen Ebenen hin und her. Auf halber Höhe die Bergflanke hinauf fand sich der Basar und viele kleine Läden reihten sich aneinander und boten viele interessante Dinge an. Wir machten halt in einer kleinen Teestube und wärmten uns etwas auf. Der Blick aus den schiefen Fenstern ließ vermuten, dass wir fast über dem Abgrund saßen. Wir verbrachten den halben Tag in der Stadt und wanderten durch die kleinen Gassen immer wieder rauf und mal herunter und zogen uns die Stadt rein. Zugegeben, Masouleh ist ein wenig zur Touristenattraktion geworden, aber nicht vergleichbar mit europäischen touristischen Orten und es war trotzdem sehr nett durch das kleine Dorf zu schlendern und sich langsam von Ebene zu Ebene zu begeben und immer wieder etwas Neues zu entdecken oder das Dorf aus einem neuen Blickwinkel zu sehen.
Mausoleum von Soltanieh
Nach diesem wirklich recht kurzen Stopp am Kaspischen Meer machten wir uns leider wieder auf ins Inland, denn wir hatten ja noch viel vor auf unserer Reise und leider nicht so viel Zeit wie auf unserem Trip durch Neuseeland. Die nächsten Ziele waren Hamadan und Kashan und unser Weg dahin führte wieder durchs Elbursgebirge und dann weiter südlich. Wir machten noch einen kleinen Halt beim Mausoleum von Soltanieh und nahmen uns etwas Zeit dieses uralte Gebäude zu erkunden.
Das Mausoleum wurde Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet und beeindruckt durch zahlreiche Ornamente und Muster im Innern und die wunderschöne Türkise Kuppel. Die Säulen, die um die Kuppel herumstehen zeugen von acht Minaretten, welche leider nicht mehr erhalten sind. Das Mausoleum ist der letzte Überrest der Hauptstadt des alten Mongolenreichs der Ilchane, welches sich von Pakistan, Afghanistan und Turkmenistan bis weit in die heutige Türkei erstreckte.