Kapitel 4 – Diamond Circle
Von Akureyri aus fuhren wir weiter auf dem sogenannten „Diamond Circle“. Wir wollten die großen Wasserfälle der Region und die Seenlandschaft Mývatn sehen, um dann über Húsavík zurück nach Akureyri zu kommen. Weiterhin gab es verschiedene Orte mit vulkanischer Aktivität, von denen wir uns zumindest einen ansehen wollten.
Generell sollten wir feststellen, dass diese Gegend Islands weniger erschlossen ist als der südwestliche Teil der Insel. Die Wasserfälle verfügten noch über große Parkplätze und insbesondere Selfoss und Dettifoss waren starke Touristen-Hotspots, aber danach wurde es sehr einsam auf der Straße und auch beim Vulkan Leirhnjúkur konnten wir Island etwas ursprünglicher genießen.
Goðafoss
Der Goðafoss ist einer der bekanntesten Wasserfälle in Island. Der Sage nach wurden hier nach der Christianisierung Islands um das Jahr 1000 n. Chr. die letzten heidnischen Götterbilder im Wasser entsorgt, daher der Name „Götterwasserfall“. Der Wasserfall ist von zwei Seiten erreichbar und da wir relativ früh unterwegs waren kamen wir an, bevor die Busse mit den Kreuzfahrttouristen den Ort erreichten. In der Morgensonne war der Wasserfall wunderschön und ein super Start in diesen langen Tag.
Mývatn
Als wir kurz darauf bei der Seenlandschaft Mývatn ankamen, warfen wir unsere Pläne, aufgrund der schier unglaublichen Anzahl von Mücken über Bord. Mývatn bedeutet übrigens „Mücken Gewässer“. Ein kurzer Stopp, um zu tanken wurde zur Tortur und nachdem wir selbst die Einheimischen mit Netzen über ihren Köpfen arbeiten sahen, entschieden wir nur einige wenige Fotos zu machen und unsere Fahrt fortzusetzen. Die kleinen Plagegeister waren beim Leirhnjúkur weiterhin präsent, aber längst nicht mehr so stark.
Leirhnjúkur
Der Leirhnjúkur ist ein aktiver Vulkan und Teil des Vulkansystems Krafla. Die Wanderung, die wir hier unternahmen, war für mich definitiv eines der Highlights der gesamten Reise. Die überwältigende Weite an schwarzen erkalteten Lavaströmen nimmt bis zum Horizont kein Ende und überall dampft es warm aus dem Boden. Der Geruch von Schwefel ist allgegenwärtig und der Ort ist wahrlich unwirtlich. Das Wasser ist milchig und weiß, die Erde rot oder schwarz oder knallgelb. Die Landschaft zeigt sich in den verrücktesten Farben.
Wir stellten uns vor was es bedeutet auf einem aktiven Vulkan umherzuwandern. Kurz vor unserer Ankunft auf Island begann eine Serie von Ausbrüchen der Sundhnúkur-Kraterkette auf der Reykjanes-Halbinsel. Das Thema war also präsent in unseren Köpfen. Was macht es mit einer Region und all den Lebewesen, welche dort leben, wenn die Erde aufreißt und Lava, Gestein und Gas an die Oberfläche strömt? Die unendlich weit wirkenden Flächen schwarzer erkalteter Lava ließen nur erahnen, was an diesem Ort geschehen war. Wir verließen den Ort mit Begeisterung und auch Ehrfurcht.
Selfoss
Nach dieser wunderbaren Wanderung ging es weiter in den Norden zu den beiden großen Wasserfällen Selfoss und Dettifoss, die beide auf ihre eigene Art beeindrucken. Am Selfoss stürzt das Wasser in einen Trichter über breite Terrassen etwa 10 Meter hinunter. Der Fluss brodelt über mehrere kleinere Wasserfälle in die Tiefe und es lässt die enorme Kraft vermuten, die diese Wassermassen mit sich bringen. Ansonsten ist die Landschaft hier sehr karg und die Vegetation trotz des vielen Wassers eher sporadisch vorhanden.
Dettifoss
Nur Wenige 100 Meter weiter bündelt der Dettifoss die gesamte Kraft des Flusses. Hier geht es mit durchschnittlich 200.000 Litern pro Sekunde ca. 44 Meter in die Tiefe. Das Entspricht ungefähr einer Leistung von 85 Megawatt. Das Donnern des Wassers ist enorm und unentwegt steigt der Dunst in der Schlucht auf. Dieses Schauspiel ist extrem beeindruckend.
Nördliche Küstenstraße
Zum Abschluss unseres Tages fuhren wir weiter nach Norden, um den Kreis zu schließen und uns ein wenig die Region reinzuziehen. Es standen zwar keine größeren Sehenswürdigkeiten mehr auf dem Programm, allerdings genossen wir die Fahrt entlang der Küste, stoppten in Húsavík für Kaffee und Kuchen und sonnten uns an der Nordküste Islands bei wunderschönem Wetter.
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